lSBN 3-925165-00-2

Herausgeber: Islamisches Zentrum Hamburg

Inhaltsverzeichnis

  • Begriffserklärung
  • »Jihad« beim Wort genommen
  • »Jihad-ul Akbar« — Kampf gegen das Ego
  • »Jihad« unvereinbar mit Krieg
  • Arten des »Jihad«
  • »Jihad« im Sinne der Abwehr innerer Aggressionen
  • Friedliche zwischenmenschliche Beziehungen
  • Notwendigkeit des »Jihad« bei Bedrohung der muslimischen
  • Einheit
  • »Jihad« im Sinne der Abwehr äußerer Aggressoren
  • Aufruf zum Islam
  • Befreiung aus Unterdrückung
  • Einige Merkmale des »Mujahed«
  • Glaube
  • Geduld
  • Aufrichtigkeit
  • Gottvertrauen
  • Einige Hindernisgründe aus qur'anischer Sicht Egoismus
  • Angst
  • Bequemlichkeit
  • Armut
  • Stichwort »Hijra« Auswanderung als islamisches Prinzip
  • Ziele der »Hijra« Aufruf zum Islam
  • Erweiterung des Bewußtseinshorizontes
  • Befreiung
  • Historische Dimension
  • Mohammeds »Hijra«
  • »Da'wa - Hijra - Doula«
  • Grundsätzliches Pflicht zu gemeinsamen Verteidigungsmaßnahmen
  • Verteidigung - nicht Rache
  • Islamischer Staat contra Staatsislam
  • Vorwort

    Vorwort

    Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen!

    »Jihad«*, ein arabisches Wort, das für die »permanente Auseinandersetzung des Gläubigen mit dem Bösen in der Welt« steht, wird bis zum heutigen Tag irrtümlich dem Begriff »Heiliger Krieg« gleichgesetzt.

    Es ist unser Anliegen, diese Polemik des Abendlandes an einem zentralen islamischen Begriff zu entkräften, um ein Vorurteil zu beseitigen, das in schlimmer Weise auch für die Politik des Neokolonialismus mißbraucht wurde. Vielfach wurde und wird versucht, die islamische Lehre dadurch zu entstellen, daß ihre äußeren Aspekte zwar beibehalten, ihre eigentlichen Inhalte aber verschwiegen oder sogar gänzlich ihres Sinnes beraubt werden: so wird beispielsweise »Jihad« - dieses allumfassende Ringen um Gerechtigkeit und Wahrheit- als »Heiliger Krieg« mißinterpretiert. Ferner soll gezeigt werden, daß der Islam eine Religion des Friedens ist, wie sich die Begriffe »Islam« und »Salam«, Friede, auch von derselben arabischen Wurzel herleiten lassen. Damit liefert die vorliegende Broschüre einen Beitrag zur aktuellen und weltweiten Friedensdiskussion aus muslimischer Sicht und versucht, von einem großen historischen Mißverständnis zur Beantwortung der allgemeinen Friedensfrage zu kommen, um damit den Beweis für die im Islam enthaltene lebendige Kraft zur Sicherung, Erhaltung und Verwirklichung des Friedens zu leisten. Das Prinzip »Jihad« basiert auf der Menschlichkeit und stellt eine sinnvolle Alternative zu dem extrem eigennützigen Politisieren in Ost und West dar.

    Die vorliegende Broschüre ist aus einer Serie von Freitagsansprachen entstanden und versucht, sich mit dem vielschichtigen Begriff »Jihad« aus verschiedenen Blickwinkeln auseinanderzusetzen. Für die Bemühung im Zusammenhang mit der Bearbeitung der Broschüre danke ich allen Beteiligten und wünsche ihnen weiterhin Gottes reichen Segen. Muhammad Moghaddam Imam des Islamischen Zentrums Hamburg, Zul Hijja 1404, September 1984

     »Jihad«: Das in der Umschrift verwendete »J« in den arabischen Begriffen ist im Deutschen wie ein »dsch« zu verwenden.

    Begriffserklärung

    »Jihad« beim Wort genommen

    Der Begriff »Jihad« stammt von der arabischen Wurzel »Jahd«, d.h. Mühe, Mühsal. Im Islam meint»Jihad« die»permanente Auseinandersetzung des Gläubigen mit den Bösen in der Welt«. Wir können die Bedeutung von »Jihad« jedoch solange nicht begreifen, ehe wir uns nicht über ein anderes wichtiges islamisches Prinzip im klaren sind, was mit »Jihad« in enger Verbindung steht: nämlich »Salam« - Frieden. Frieden ist eine der höchsten Maximen im Islam, was schon am Namen dieser Religion deutlich zu erkennen ist. So entspringen die Begriffe Islam und Salam derselben arabischen Sprachwurzel.

    Zahlreiche Überlieferungen des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) behandeln den Begriff »Frieden«:

    » Wahrlich, Gott hat den Frieden zum Gruß unserer Gemeinschaft und zur Sicherheit für all diejenigen gemacht, die unseren Schutz genießen.«

    Ferner sagte der Prophet: »Frieden hat Vorrang vor dem Wort!«

    Der erste Kontakt zwischen den Gläubigen soll daher immer mit Frieden beginnen.

    Zahlreiche Qur'anverse behandeln das Thema Frieden. Beispielhaft sei hier erwähnt, was die Gläubigen als Folge ihres gottergebenen Handelns in dieser Welt dereinst im Paradies erwarten wird: »Nicht hören werden sie darin sinnloses Geschwätz noch Schandhaftes, sondern nur das Wort Frieden, Frieden!« (Sure 56, 25-26)

    Darüber hinaus ist folgender göttlicher Aufruf von permanenter Gültigkeit:

    »Und Gott ruft auf zur Stätte des Friedens...!« (Sure 10, 25)

    Warum aber hat das Prinzip Frieden im Islam solch eine große Bedeutung?

    Die Religion des Islam will die Menschen immer zum Frieden führen. Wenn also der Quran das Prinzip Jihad, d.h. diese Auseinandersetzung des Gläubigen mit dem Bösen bekräftigt, so nur deshalb, weil dadurch Frieden verwirklicht werden soll! Nur aus diesem Grund ist im Rahmen von Jihad auch der Kampf gegen jene Menschen zulässig, die den Frieden unter den Menschen stören, Unheil stiften und die Menschen ihrer Freiheit berauben. Jihad ist jedoch niemals ein für sich alleinstehendes Ziel. Es ist lediglich ein Mittel, um Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden unter den Menschen zu begründen.

    »Jihad« bezieht sich auf den Kampf des Menschen mit den Faktoren des Bösen, d. h. auf sein permanentes Ringen auf individueller, gesellschaftlicher, wissenschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Ebene um eine Veränderung hin zum Guten. Daher kann »Jihad« auch nicht als heiliger Krieg übersetzt werden, denn dies würde die weite Bedeutung des Begriffes völlig einengen und verfälschen.

    Jihad ist mit einem bestimmten Ziel verbunden: die »ständige Auseinandersetzung des Gläubigen« findet auf dem Wege Gottes (arabisch »fi sabilillah«) statt:

    jemand, der eine andere Zielsetzung als Gott besitzt und nicht die Verwirklichung der göttlichen Grundsätze bei der Ausübung von Jihad anstrebt, wird diesem Prinzip nicht gerecht werden können. Eine Überlieferung (Hadith) berichtet:

    »Prophet Muhammad wurde einmal gefragt, was mit demjenigen geschehen werde, der sich um der Belohnung willen anstrengt. Daraufhin antwortete der Gesandte Gottes: »Er wird nichts erreichen!«

    Der Mann, der seine Frage dreimal wiederholte, bekam immer wieder dieselbe Antwort: »Er wird nichts erreichen!-... denn Gott wird keine Handlung akzeptieren, es sei denn, sie würde mit aufrichtigem Herzen und um seine Zufriedenheit zu erlangen, ausgeführt!«

    »Jihad-ul Akbar« - Kampf gegen das Ego

    »Jihad«, diese Auseinandersetzung des Gläubigen mit den Faktoren des Bösen hat nichts anderes zum Ziel, als Gott und die Annäherung an Ihn, die höchste Norm des Daseins. Jihad wird grob in zwei Bereiche eingeteilt: in den Kampf des Menschen gegen sein Ego (arabisch »Jihadun-Nafs«) und in die verschiedenen Formen des Widerstreits zwischen den Gläubigen und den Faktoren, die Wahrheit und Gerechtigkeit zu beseitigen versuchen.

    Der erste Bereich stellt im Gegensatz zum zweiten eine immer gültige Verpflichtung des Gläubigen dar. Denn der Islam sieht das Innere des Menschen als einen Schauplatz des fortwährenden Kampfes zwischen Gut und Böse, zwischen Wahrheit und Unwahrheit an. Zwar unterstellt der Islam die Herrschaft der Welt nur einer Größe, nämlich Allah, demgegenüber keine andere Macht treten kann; doch das Innere des Menschen stellt die Szenerie eines ständigen Widerstreits zwischen allem Guten, Positiven, Schönen und allem Unrechten, Verwerflichen und Bösen dar.

    Deshalb bedeutet »Jihadun-Nafs«, der Kampf gegen das Ego, eine immerwährende Anstrengung des Menschen, die negativen Elemente, Einflüsterungen des Bösen und Begierden zu überwinden und die positiven Neigungen zu fördern, damit der Mensch seine moralische, glaubensmäßige und menschliche Vollkommenheit erreichen kann.

    Der eigentliche Feind des Menschen ist der Mensch selbst. Die negativen Auswüchse des Daseins, die feindseligen und unterdrückerischen Tendenzen des Menschen sind im Fehlen seiner Selbstvervollkommnung begründet. Daher sprach der Prophet des Islam folgende Worte:

    »Bekämpft eure Begierden und Lüste in eben solchem Maße, wie ihr eure Feinde bekämpft.«

    Er hat die Bedeutung dieser Form des »Jihad« gegen das Ego als größer bezeichnet als den »Jihad« gegen die Feinde des Islam: »Als eine Gruppe von Muslimen von einer Schlacht zurückkehrte, sprach der Prophet: >Seid willkommen, die ihr den kleinen Jihad ausgeführt habt. Es soll euch Wohlergehen. Dennoch bleibt der große Jihad für euch bestehend Daraufhin fragten sie den Propheten, was er denn mit >großer Jihad< (Jihad-ul Akbar) meinte. Der Prophet antwortete: >Es ist der Kampf gegen das Ego und die Begierden des Menschen !«

    Der Islam will also das göttliche Element im Menschen fördern, damit sich der Mensch vom Gefängnis seiner Begierden befreie. Sind nicht die Aufrüstung in Ost und West, die sich ausbreitenden Konflikte und Kriege, die immer größere Bedrohung eines atomaren Untergangs, usw. Ausdruck der Selbstsucht des Menschen? Wir müssen uns im klaren sein, daß der Islam einerseits die Läuterung der Seele des Menschen betont, andererseits jedoch niemals einen Rückzug vom gesellschaftlichen Leben akzeptieren würde. »In der Religion des Islam existiert keine Weltflucht und kein Asketentum! Das Asketentum meiner Gemeinde ist vielmehr der Jihad!« (Prophet Muhammad) Der Islam sagt nicht, wir sollen nur uns selbst verbessern, dann wird alles andere gut!

    Mit dem ständigen Kampf gegen das Ego und der Läuterung des Herzens sollen auch die Wurzeln des gesellschaftlichen Unheils, der Unterdrückung und Ungerechtigkeit beseitigt werden, damit sich die Ummah (die islamische Gemeinschaft) in Richtung eines gesunden Individuums als auch einer gesunden Gesellschaft entwickeln kann.

    Der Ausdruck »Heiliger Krieg«, der häufig von Nichtmuslimen als Übersetzung von »Jihad« verwendet wird, entstellt die eigentliche Bedeutung dieses wichtigen islamischen Prinzips. Die weitverbreitete Bezeichnung »Heiliger Krieg« ist derart verwirrend und falsch, daß kaum angenommen werden kann, daß sie aufgrund von Unwissenheit geprägt worden ist. Obwohl der Begriff »Jihad« - d.h. »die permanente Auseinandersetzung des Gläubigen mit den Faktoren des Bösen, um das Gute in der Welt zu verwirklichen« - eine positive Aussage beinhaltet, ruft der Ausdruck »Heiliger Krieg« fast zwangsläufig eine negative Grundhaltung bei den Menschen hervor: sofort wird angenommen, der Islam sei eine kriegerische Religion, die sich mit Gewalt ausbreite und den Krieg als Mittel zur Durchsetzung ihrer Ziele gutheiße! Im Grunde soll damit und mit ähnlichen Mißdeutungen islamischer Begriffe eine Abneigung gegen den Islam, die »Religion des Friedens« erzeugt werden.

    Jihad unvereinbar mit Krieg

    Lesen wir den Quran, dann stellen wir fest, daß hier für Krieg ein anderer arabischer Begriff gebraucht wird, nämlich »Harb«. Die schöpferische Weisheit will uns damit klarmachen, daß ein großer Unterschied zwischen Krieg und »Jihad« besteht. Die Ziele des Krieges sind fest umrissen und die Mächte, die Krieg führen, gehen fast immer von denselben Motiven aus: es geht ihnen um Ausweitung ihrer Einflußsphäre, um territoriale Expansion, um Ausbeutung von Rohstoffen und natürlichen Ressourcen anderer Völker oder einfach um Verwirklichung rassistischer Ideen. Jihad jedoch ist nicht nur in keinem Fall mit diesen niederen Beweggründen zu vereinbaren, sondern möchte eben diese Motive, die zu Kriegen führen, beseitigen.

    Jihad ist die ständige Auseinandersetzung des Individuums und seiner Gesellschaft mit Unwahrheit und Ungerechtigkeit, um die hohen Ziele des Islam zu verwirklichen und sich dem Göttlichen anzunähern. Durch Jihad soll Glaube, Wahrheit und Gerechtigkeit in der Welt begründet werden, damit schließlich Frieden geschaffen werden kann. Dies geschieht zum Beispiel durch das gesprochene und geschriebene Wort, durch den »Aufruf zum Islam« (arabisch »Da'wa«), durch den Einsatz von Zeit und Energie, durch das Opfern des Eigentums und schließlich des Lebens.

    Arten des Jihad

    Kampf im Sinne der Abwehr innerer Aggressoren

    Wenn der Quran vom Kampf (arabisch »Qital«- im Sinne der aktiven Gegenwehr spricht, so ist immer die Situation gemeint, in der die muslimische Gemeinschaft von aggressiven Mächten angegriffen wird. Werden die Muslime überfallen, dürfen sie sich nicht nur verteidigen, sondern haben sogar die Pflicht dazu. Das Schweigen und Hinnehmen einer Aggression wäre nämlich selbst eine Art Aggression, denn es würde bedeuten mitzuhelfen, Gerechtigkeit und Frieden zu beseitigen.

    Im Quran heißt es hierzu eindeutig:»... unterdrückt nicht und laßt euch nicht unterdrücken!« (Sure 2, 272), denn beides verhindert Gerechtigkeit und Frieden in der Gesellschaft. So ist das Ziel der permanenten Anstrengung der Muslime die Beseitigung der Aggression.

    Friedliche zwischenmenschliche Beziehungen

    Innerhalb der islamischen Gemeinschaft regelt Frieden die Beziehungen der Muslime, doch ist Frieden auch die Grundlage der Beziehung der islamischen Gemeinschaft zu anderen nicht-islamischen Gesellschaften.

    Die Mitglieder der islamischen Gesellschaft sind entweder Muslime oder Nichtmuslime. Die Beziehungen der Muslime untereinander stellt der Islam auf die Grundlage der Brüderlichkeit und des Glaubens.

    Die Beziehung der Muslime zu Nichtmuslimen basiert auf Menschlichkeit und auf der Verbundenheit der großen Menschenfamilie. So werden die Rechte der Nichtmuslime innerhalb der islamischen Gemeinschaft respektiert.

    Der einzige Maßstab, den Gott an die Menschen anlegt und der die Menschen voneinander unterscheidet, liegt in der »Ehrfurcht vor Gott« (arabisch»Taqwa«}- alle anderen Privilegien des Menschen sind hinfällig: »0 ihr Menschen, Wir schufen euch aus Mann und Frau und machten euch zu Völkern und Stämmen, auf daß ihr euch gegenseitig erkennt! Wahrlich, der Angesehenste von euch vor Gott ist der Gottesfürchtigste!« (Sure 49, 13)

    Auf welche Weise der Islam die Beziehungen der Menschen in einer islamischen Gemeinschaft regelt, kommt ebenfalls in dem bekannten Schreiben Imam Alis an Malik al-Ashtar, der sein Gouverneur in Ägypten werden sollte, aber auf dem Weg dorthin ermordet wurde, zum Ausdruck:

    »Schließe das Volk in dein Herz und empfinde ihm gegenüber aufrichtige Freundschaft und Liebe. Möge Gott dich bewahren, wie ein Raubtier auf Beute zu lauern. Bedenke, daß das Volk aus zwei Gruppen besteht: die einen sind deine Brüder im Glauben, die anderen sind Menschen wie du!« (Nahjul-Balagha, Brief 53) Zum Schütze der zwischenmenschlichen Beziehungen muß sich eine islamische Gemeinschaft gegenüber Kräften, die die Beziehungen ihrer Mitglieder stören oder beseitigen wollen, zur Wehr setzen. Diese Verteidigungshaltung ist jedoch nur ein Aspekt des umfassenden Begriffes Jihad und hat nichts mit Kriegstreiberei oder Aggression zu tun.

    Wenn der Frieden bedroht ist, tritt Jihad in Aktion. Der Islam respektiert andere Systeme solange die Herrschenden dieser Systeme die legitimen Rechte der Völker auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden nicht verletzen. Geschieht dies jedoch, sind die Muslime aufgerufen, die Entrechteten und Unterdrückten in ihrem Kampf gegen ihre Unterdrücker zu unterstützen bis Unterdrückung und Verfolgung aufhört.

    Der Islam tritt immer für die Beseitigung von Gewalt, Unterdrückung und Aggression ein - rechtfertigt aber niemals Aggression und »Heiligen Krieg!«

    Wiederum drückt diese Tatsache am klarsten der Quran aus: » 0 ihr Gläubigen, tretet ein für Gott, bezeugt die Gerechtigkeit und laßt euch nie durch die Feindschaft eines Volkes dazu treiben, ungerecht zu sein: denn dies ist der Gottesfurcht am Nächsten! Und habt Ehrfurcht vor Gott, denn Gott weiß gewiß alles, was ihr tut!«
    (Sure 5, 8)

     Notwendigkeit des Jihad bei Bedrohung der muslimischen Einheit

    Die Umma, die »Gemeinschaft der Gläubigen«, ist getragen von der gemeinsamen Überzeugung an den einen Gott (Tauhid). Die Einheit und der Zusammenhalt der Gläubigen sind Voraussetzung für die Vervollkommnung des Menschen. Andernfalls kann sich eine Gesellschaft der negativen Einflüsse, dem Unglauben und Götzendienst (arabisch »Schirk«) nicht erwehren. Die dem Glauben an den einen Gott entspringende gesellschaftliche Einheit ist eine große Kraft: denn die allmächtige, schöpferische Weisheit verleiht einer Gesellschaft, die um die Einheit ringt. Ausstrahlung und Größe! Im Islam gilt daher Spaltung als äußerst verwerflich:

    »Und werdet nicht wie jene, die zersplittert und uneins wurden, nachdem zu ihnen die klaren Beweise gekommen waren l Denn diejenigen erwartet eine schmerzliche Strafe!« (Sure 3, 105) An anderer Stelle bezeichnet der Quran die Zersplitterung der Gesellschaft als Ursache gesellschaftlicher Dekadenz: »Und gehorchet Gott und Seinem Gesandten und streitet nicht miteinander, damit ihr nicht schwach werdet und eure Kraft nicht dahinschwinde. Seid hingegen standhaft, denn, wahrlich, Gott ist mit den Standhaften!« (Sure 3, 47) Wenn jene, die die Einheit der muslimischen Gemeinschaft stören, die Muslime gegenseitig aufhetzen und ihre Angriffe auf die herrschende Ordnung, sofern sie auf Wahrhaftigkeit und Gerechtigkeit basiert, nicht beenden, dann ist es die Pflicht der Muslime,»Jihad« gegen diese Gruppe zu führen. Die Muslime sind dann aufgerufen, alles zu tun, um ihre Gegner an deren Aggression zu hindern: »Sollten sich zwei Parteien der Gläubigen gegenseitig bekämpfen, so stiftet Frieden zwischen ihnen. Läßt aber die eine von ihrer Aggression ab, so bekämpft die Partei, die Unrecht tut, bis sie sich dem Gesetz Gottes fügt. Wenn sie sich aber gefügt hat, so stiftet Frieden zwischen den beiden in Gerechtigkeit und Billigkeit! Die Gläubigen sind wahrlich Brüder, darum stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und fürchtet Gott, auf daß ihr Erbarmen findet!« (Sure 49, 9-10) Ziel dieser Form des »Jihad« ist die Beseitigung des Unrechts und die Verwirklichung des göttlichen Gesetzes sowie die Schaffung von Frieden und Gerechtigkeit in der Gesellschaft.

     Jihad im Sinne der Abwehr äußerer Aggressoren

    » Und kämpft auf dem Wege Gottes gegen jene, die euch bekämpfen, aber begeht keine Ausschreitungen, denn Gott liebt die Maßlosen nicht.« (Sure 2, 190) »Jihad« im Sinne von »Kampf« (arabisch»Qital«) ist immer ein Verteidigungskampf. Im Islam darf niemals ein Angriffskrieg geführt werden. Die Abwehr einer Aggression hingegen gilt als ein Naturrecht des Menschen, d. h. die Selbstverteidigung ist ein Phänomen, das in allen Bereichen des Lebens auftritt. Da der Islam im Einklang mit den Naturgesetzmäßigkeiten steht, akzeptiert er dieses Phänomen.

    »Jihad« als Beseitigung der Aggression wird zur Pflicht, wenn die islamische Gemeinschaft angegriffen wird. Wenn Land und Leben bedroht werden, sind die Muslime verpflichtet, sich zur Wehr zu setzen.

    Jedoch darf der Abwehrkampf der Muslime nicht selbst zu einer Aggression ausufern. Es dürfen keine Ausschreitungen begangen werden. Auch im Kriegsfall müssen die Regeln der islamischen Ethik unbedingt eingehalten werden. Die Muslime sollen so weit wie möglich Gewalt vermeiden. Auch gegen ihre Feinde dürfen sie nicht maßlos handeln. So ist beispielsweise das Töten von nicht am Kampf beteiligten Personen, das Zerstören von Häusern, die Verwüstung von Feldern, Wäldern, Herden, usw. strikt untersagt. Es wird oft gesagt, der Islam wäre eine kriegerische Religion, die sich mit Feuer und Schwert ausgebreitet hätte. Dabei verkennt man, daß der Islam gekommen ist, um Unheil und Aggression zu beseitigen und Frieden zu stiften.

    In ihrer Frühzeit war die islamische Bewegung für die Bevölkerung der damaligen Großmächte Persien und Byzanz die einzige Hoffnung auf Befreiung von diesen ungerechten Systemen, die in kurzer Zeit später tatsächlich ihren Zusammenbruch erlebten. Der Islam ist jedoch auch eine realistische Religion, die ihren Anhängern das Recht einräumt, sich gegen Aggressoren und Unheilstifter zu verteidigen:

    »Und bekämpft sie, wo immer ihr auf sie trefft, und vertreibt sie, von wo sie euch vertrieben haben: denn Unheilstiften (>Fitna<) ist schlimmer als Töten.« (Sure 2, 192) Mit »Unheilstiften« (arabisch »Fitna«) sind die Wurzeln allen Unfriedens gemeint (Intrigen, Verschwörung, Kriegstreiberei), die es unbedingt zu beseitigen gilt, wenn es darum geht, Frieden zu schaffen.

    Weiter heißt es im heiligen Quran:

    »Aber bekämpft sie nicht bei der heiligen Moschee, bis sie euch an dieser Stelle bekämpfen. Wenn sie euch dort aber bekämpfen, dann bekämpft sie, denn das ist der Lohn der Ungläubigen. Sollten sie ablassen, so ist Gott allverzeihend, allbarmherzig. Und bekämpf t sie, bis das Unheilstiften aufgehört hat und der Weg zu Gott frei wird. Wenn sie sich aber bekehren, so soll es keine Feindschaft geben außer gegen die Aggressoren.« (Sure 2, 192-193} Die Beseitigung des Unheils ist im Islam mit dem öffnen des Weges zu Gott verknüpft. Die Religion - der Weg zu Gott (arabisch »Din«)-kann nur dann beschriften werden, wenn die Unheilstifter ihr unseliges Treiben nicht weiter fortführen können.

     Aufruf zum Islam*

    Der Islam ist die letzte Offenbarung Gottes an die Menschheit, eine Religion, die für alle Menschen gekommen ist und nicht auf eine bestimmte Gruppe, Klasse oder Schicht begrenzt werden kann. Die Muslime sind angehalten, die Inhalte ihrer Religion, die zur Rechtleitung und Befreiung der Menschen dienen soll, überall, wo sie sich befinden, bekannt zu machen.

    Bei der Verbreitung des Islam sind keinerlei Gewaltausübung und Zwang gestattet. Die göttlichen Inhalte dieser Religion sollen nur auf die beste Art, mit Logik und klaren Argumenten kundgetan werden, damit sich die Menschen für den wahren, heilbringenden Charakter des Islam öffnen und die Inhalte der Religion Gottes aufnehmen können. Mit folgenden Worten wendet sich der Quran an Muhammad (Friede sei mit ihm):

    »Rufe auf zum Weg deines Herrn mit Weisheit und schöner Ermahnung und argumentiere mit ihnen auf die beste Art und Weise!»
    (Sure 16/125)

     Der Rahmen des Aufrufs zum Islam wird soweit abgesteckt, daß jeder, der zum Glauben eingeladen wird, die auf Vernunft basierenden religiösen Prinzipien verstanden haben muß, bevor er daran glauben kann.

    »Kein Zwang soll sein im Glauben! Wahrlich der rechte Weg ist vom falschen deutlich unterschieden. Wer also die Tyrannen verwirft und an Gott glaubt, der hält sich an der starken Handhabe, die nicht zerbricht. (Sure 2/256) Werden nun Muslime bei ihrem Bemühen um Wahrheit und Gerechtigkeit behindert oder sogar verfolgt, sind sie berechtigt, sich zu verteidigen.

    Anmerkung: Näheres zum Thema »Aufruf zum Islam« siehe »Gutes gebieten und Schlechtes verwehren«. Islamisches Echo in Europa, 6. Folge, S. 32-40.

    Befreiung aus Unterdrückung

    Im Islam steht Gemeinwohl an oberster Stelle: so haben die Rechte der Gemeinschaft - auf soziale Freiheit, Gerechtigkeit, Frieden - Vorrang vor den Rechten des Individuums. Jeder einzelne Muslim ist verpflichtet, die Rechte der Gemeinschaft zu schützen. Werden die Rechte der Gemeinschaft mißachtet und die Menschen unterdrückt, können die Muslime nicht passiv bleiben. Sie müssen den Entrechteten im Kampf gegen deren Unterdrücker beistehen. Handelt es sich bei den Entrechteten um Muslime, gebietet dies die islamische Brüderlichkeit. Doch handelt es sich um nicht-muslimische Völker, so sind die Muslime auch verpflichtet, ihre entrechteten Mitmenschen in ihrem Befreiungskampf zu unterstützen. » Und was ist mit euch, daß ihr nicht kämpft auf dem Wege Gottes und für die Entrechteten von den Männern, Frauen und Kindern die sagen: »Unser Herr, führe uns hinaus aus diesem Ort der Unterdrücker und gib uns von Dir einen Fürsorger und Helfer Diejenigen, die glauben, kämpfen in der Sache Gottes. Dagegen kämpfen die Ungläubigen im Auftrag der Tyrannen. Darum bekämpft die Genossen des Satans; denn, wahrlich, der Plan des Satans ist schwach.« (Sure 4, 75-76) Auch im Quran also eine klare Aufforderung an die Muslime, ihren bedrängten Geschwistern und auch allen anderen »Verdammten dieser Erde« beizustehen und um deren legitime Rechte zu kämpfen.

    Einige Merkmale des Mujaheds

    Alle Handlungen, die mit der aktiven Gegenwehr der Gläubigen gegen alle negativen Elemente zusammenhängen, die von der Realisierung des Islam - der Ergebenheit in Gott - wegführen, werden unter dem qur'anischen Begriff »Jihad« zusammengefaßt. »Jihad« - diese permanente Auseinandersetzung des Gläubigen mit den Faktoren des Bösen - ist ein allumfassendes Prinzip, das nicht auf einen bewaffneten Kampf (arabisch »Qital«) reduziert werden kann. Schon gar nicht hat »Jihad« etwas mit »Heiligem Krieg« zu tun.

    Wir sprechen immer dann von »Jihad«, wenn es gilt, sich in Wort und Tat gegen alle Formen des Zwanges, der Unterdrückung, Unwahrheit und Aggression zur Wehr zu setzen. Durch welche Merkmale zeichnen sich diejenigen aus, die »Jihad« praktizieren?

    Eine entsprechende Stelle aus dem heiligen Quran lautet: »Die unter den Gläubigen, die daheim sitzen - ausgenommen die Gebrechlichen - und die, welche für Allahs Sache ihr Gut und Leben einsetzen, sind nicht gleich. Jene, die sich mit ihrem Gut und Leben einsetzen, werden um Rangstufen über die daheim sitzenden erhöht. Beiden hat Allah jedoch Gutes versprochen, doch denjenigen, die »Jihad« praktizieren (die Mujahedin), hat Er gegenüber den daheim gebliebenen mit großem Lohn ausgezeichnet!«
    (Sure 4, 95)

    Demnach wird derjenige, der den Aggressoren entschlossen mit seinem Eigentum und Leben gegenübertritt, von Gott höher eingestuft als jener, der glaubt, aber zögert und seine Pflicht nicht voll erfüllt.

    Folgende Eigenschaften motivieren den Gläubigen zu diesem selbstlosen Kampf gegen die Feinde der Wahrheit und zeichnen ihn vor Gott mit einer hohen Stellung aus:

    Glaube

    Das auffälligste Merkmal des Mujahed ist seine Glaubensstärke, die ihn befähigt, die große Verpflichtung zum »Jihad« zu erfüllen. Glaube und Werk bilden eine untrennbare Einheit im Islam. Ein Werk, das keinem bewußten Glauben entspringt, bleibt letztendlich wertlos. Auch ein Glaube ohne praktische Verwirklichung entbehrt jeglichen Sinnes.

    »Jihad« muß daher auf Glauben basieren, um seinem Zweck gerecht werden zu können.

    » Wahrlich, Gläubige sind diejenigen, die an Gott glauben und an Seinen Gesandten und sodann keinen Zweifel hegen, die mit ihrem Gut und ihrem Selbst für die Sache Gottes eintreten - das sind die allein Wahrhaftigen!« (Sure 49, 15) Der Mujahed hat die Zufriedenheit Gottes zum Ziel und tut alles in aufrichtiger Hingabe an den allgegenwärtigen, weisen Gott.

    Geduld

    Ein weiteres Merkmal des Mujahed ist seine Geduld und Standhaftigkeit: Geduld (arabisch »Sabr«)- und nicht das »Hinnehmen des herrschenden Zustandes«. Gemeint ist damit nicht das passive Ergeben in das Schicksal - Geduld im islamischen Sinne ist eine wache Geisteshaltung des Gläubigen.

    Der Mujahed wird zwangsläufig auf Schwierigkeiten und Hindernisse stoßen. Diese Schwierigkeiten zu ertragen und dabei die Hoffnung nicht aufzugeben, das ist die wahre Bedeutung von »Sabr« (Geduld).

    Und es gab viele Propheten, mit denen zahlreiche Gefährten kämpften, - und sie verzagten nicht bei all dem, was ihnen auf dem Wege Gottes zustieß, und sie wurden nicht schwach, noch ergaben sie sich. Und Allah liebt die Standhaften!« (Sure 3, 145) Es sollen Überheblichkeit, Stolz und jeglicher Anflug von Rachegelüsten durch die Einhaltung dieses islamischen Prinzips niemals über die Gnade, Barmherzigkeit und den Edelmut des Muslim dominieren und somit ein Hindernis auf dem Wege der Realisierung von Gerechtigkeit und Frieden darstellen. Diese Tatsache macht die schöpferische Weisheit in der bekannten Sure 110, »An-Nasr« (der Bestand) klar:

    »Als der Sieg kam von Gott und Sein Beistand, und du die Menschen sähest eintreten in die Religion Gottes reihenweise: lobpreise dann deinen Herrn und ruf ihn um Verzeihung an, denn wisse, er nimmt die Reue an!«

    Geduld und Demut im Augenblick des Triumphes ist eine Sache, die Rache und Vergeltung umwandelt in Vergebung und Barmherzigkeit!

    Gerade die Frühgeschichte des Islam bezeugt dieses Phänomen: der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm), kehrte bei der (gewaltlosen} Eroberung der Stadt Mekka die zu erwartende Vergeltung in Gnade um. Er vergab den langjährigen, erbitterten Feinden des Islam, die großes Leid in den Reihen der Muslime angerichtet hatten, großherzig. So ist er für die Muslime ein Beispiel der Verwirklichung dieses Prinzips. Die Tatsache, daß er seinen Erzfeinden im entscheidenden Moment vergab, bestätigt, daß der Islam nicht eine Religion des Krieges, der Rache und des Hasses, sondern eine Religion des Friedens, der Vergebung und der Liebe ist!

    Aufrichtigkeit

    Ein weiteres, wichtiges Merkmal des Mujahed ist seine Aufrichtigkeit. Sie kennen kein anderes Motiv als die Liebe zu Gott. Der Gehorsam allein dieser einen Norm gegenüber läßt sich an zahlreichen Versen des Quran verdeutlichen. So heißt es beispielsweise: » 0 ihr Gläubigen, wenn ihr einer gegnerischen Truppe begegnet, dann seid standhaft und gedenket Gottes häufig, auf daß ihr erfolgreich seid. Und gehorchet Gott und Seinem Gesandten und streitet nicht miteinander, damit ihr nicht schwach werdet und eure Kraft dahinschwindet. Seid hingegen standhaft: denn wahrlich, Allah ist mit den Standhaften! Und seid nicht wie diejenigen, die ihre Häuser verließen in Eitelkeit, um sich den Menschen zur Schau zu stellen. Sie halten andere nur ab von Allahs Weg. Aber Allah umfaßt alles, was sie tun.« (Sure 8, 45-47) Demnach entspringt Uneinigkeit und Schwäche der Gläubigen ihrer Geisteshaltung, nicht bereit zu sein, alles mit aufrichtigem Herzen ausschließlich für Gott zu tun. Schon der geringste Ungehorsam gegenüber Gott führt zu Zank und Spaltung der Muslime. Können die Gläubigen ihre Uneinigkeit nicht überwinden, ist ihre Niederlage im Widerstreit gegen die Feinde der Wahrheit unvermeidbar.

    Gott legt daher den Gläubigen den Gehorsam gegenüber Ihm und Seinem Gesandten ans Herz, auf daß der Gegenstand all ihres Strebens die Zufriedenheit Gottes sei. Der Begriff, der diese Motivation der Gläubigen verdeutlicht, findet sich im häufig zitierten qur'anischen »fisabilillah«, d.h. »auf dem Wege Gottes«. Auch diejenigen, die sich nicht auf diesem Weg befinden, werden hier genannt: es handelt sich um jene, die ihrer eigenen Einbildung unterliegen und glauben, sie wären »besser« als die anderen, was sie nicht sind. Sie ziehen aus in Hochmut, Stolz und Eitelkeit und hindern andere daran, den Weg Gottes zu beschreiten. Denn Profilierungssucht steckt an und führt schließlich zu Streitigkeiten und Uneinigkeit.

    Gottvertrauen

    Eine andere Eigenschaft des Mujahed ist sein unerschütterliches Vertrauen in Gott. Er fürchtet keine andere Macht, stützt sich auf niemanden außer Gott und gewinnt wahre Freiheit und Unabhängigkeit in seinem Handeln.

    Dieses Vertrauen läßt die Gemeinschaft der Gläubigen ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

    Dieses unerschütterliche Urvertrauen der Gläubigen rührt von der Tauhid-Weltanschauung her, nach der alles auf einen einzigen gemeinsamen Ursprung zurückgeht. Die Gemeinschaft der Gläubigen, die es schafft, dieses Bewußtsein zu entwickeln, empfängt zusätzlichen Segen aus der unendlichen Gnadenfülle Allahs. Denn vertrauen die Gläubigen auf Gott und streben aufrichtig in seiner Sache, dann leitet sie der Allerbarmer auf Seine Wege.

    Viele Stellen im Quran behandeln das Vertrauen der Gläubigen in Gott. Wie sich unser Prophet gegenüber seinen Neidern verhielt, drückt folgender Vers aus:

    » Trifft dich etwas Gutes, so mißfällt es ihnen. Trifft dich jedoch ein Unglück, sagen sie: >wir unsererseits haben Vorsorge getroffen - und kehren sich um und freuen sich.

    Sprich: >Nie wird uns etwas anderes treffen, als Gott für uns bestimmt hat. Er ist unser Beschützer und nur auf Gott sollen die Gläubigen vertrauen.< (Sure 9, 50-51)

    Einige Hindernisgründe aus qur'anischer Sicht

    Egoismus

    Die Gründe, die die Menschen vom Jihad abhalten, liegen meist in ihnen selbst begründet. Im Quran heißt es über die egoistischen Neigungen der Menschen:

    »Sprich: »Sind euch eure Väter, Söhne, Brüder, Ehepartner, Verwandten, eure Reichtümer, die ihr hortet, euer Handel, dessen Verlust ihr fürchtet, und eure Wohnungen, die euch gefallen, lieber als Allah, Sein Gesandter und die Bemühung auf Seinem Weg? Dann wartet ab, bis Allah mit Seinem Befehl eintrifft. Und Gott leitet das Volk der Frevler nicht.« (Sure 9, 24) Der Islam verwehrt dem Menschen nicht, sich an den schönen Dingen des Lebens zu erfreuen. Doch ist diese Welt nicht das Ziel im Leben des Menschen. Die Welt darf nicht alles sein, woran der Mensch sich klammert, ist sie doch letztlich unvollkommen. Materielle Dinge können somit nicht Selbstzweck sein, sondern Mittel, mit deren Hilfe sich der Mensch der Vollkommenheit - nämlich Gott - annähert. Ein Mensch, der nach Vervollkommnung strebt, wird seinen Glauben daher nicht oberflächlichen Freuden opfern. Dort, wo Wahrheit, Gerechtigkeit und Glauben bedroht sind, wird er sich nicht durch materielle Dinge vom Jihad ablenken lassen. Was bringt ihn dazu?

    Ein Mensch, der sich das Streben nach mehr materiellen Dingen zum Lebensinhalt macht, fürchtet entweder den Verlust seines Besitzes oder hofft auf persönlichen Vorteil. Nur im Bewußtsein der Einheit des Daseins (»Tauhid«) und durch die wahrhaftige Anbetung des einen Gottes kann der Mensch seine egoistischen Tendenzen überwinden. Er wird sich bewußt, daß alles einer Quelle entspringt und auch dorthin zurückkehrt.

    Zu eben dieser Geisteshaltung möchte der Quran die Menschen inspirieren. Selbst Prophet Muhammad wird auf diesen Zusammenhang aufmerksam gemacht, wenn Gott ihm tröstend zuruft: »Ihr Gerede soll dich nicht traurig stimmen, denn wahrlich, alle Größe liegt bei Allah: Er ist der Allhörende, Allwissende.« (Sure 10, 65)

    Im heiligen Quran heißt es an zahlreichen Stellen: »Gottes ist die Herrschaft der Himmel und der Erde.«
    (Sure 24, 42 u.a.)

    Der Quran will die Hoffnungen, Wünsche und Ziele des Menschen auf den eigentlichen Ursprung des Daseins - auf Gott - lenken. Er will das Bewußtsein im Menschen fördern, daß alle Dinge die Größe Gottes widerspiegeln. Dann erkennt der Mensch, wie relativ und abhängig er ist und daß alle seine Fähigkeiten auf Gott zurückgehen.

    Eine solche Weltanschauung könnte den Menschen befähigen, sich von den Fesseln seiner egoistischen Neigungen zu befreien. Im Bewußtsein des»Tauhid« würde er nicht länger weltlichen Verlockungen unterliegen und materielle Dinge zwischen sich und Gott stellen. Vielmehr wäre er bereit, alles für die Sache des Guten und Wahrhaftigen zu geben.

    Selbst Schwierigkeiten könnten einen solchen Menschen nicht von seinem Weg abbringen. Er würde sein Leben als permanente Prüfung auffassen und in allen Situationen den positiven Kern, der ihn weiterbringt, entdecken:

    » Und Wir werden euch sicher durch Furcht, Hunger und Verlust an Vermögen, Leben und Früchten prüfen. Doch verkünde frohe Botschaft den Standhaften, die, wenn sie ein Unheil trifft, sagen: »wahrlich, wir sind ja Gottes und zu Ihm werden wir zurückkehren!* Das sind die, auf denen der Segen und die Barmherzigkeit ihres Herrn ruht, und das sind die Rechtgeleiteten.« (Sure 2, 155-157)

     Angst

    Angst hält den Menschen ab, sich für Wahrheit und Gerechtigkeit einzusetzen. Er fürchtet Konsequenzen und Schwierigkeiten, die sich ihm in den Weg stellen würden, wenn er tatkräftig daran ginge, der Wahrheit, Gerechtigkeit und dem Glauben zum Durchbruch zu verhelfen:

    »Und als ihnen der Jihad vorgeschrieben wurde, da fürchtete ein Teil von ihnen die Menschen derart, wie sie eigentlich nur Gott fürchten sollten, ja sie fürchteten sie sogar noch mehr.«
    (Sure 4, 77)

    Die Furcht, Schaden zu erleiden oder persönliche Vorteile zu verlieren, hielt eine Gruppe von Muslimen davon ab, sich gegen Aggressoren zur Wehr zu setzen. Auch die Ursache dieser Angst legt der Quran klar:

    » Wollt ihr euch gegen Leute, die ihre Versprechen brachen, zur Vertreibung des Gesandten fest entschlossen sind und euch zuerst überfielen, denn nicht zur Wehr setzen? Fürchtet ihr sie etwa? Jedoch verdient Gott mehr, daß ihr Ihn fürchtet, wenn ihr Gläubige seid.« (Sure 9, 13) Aus dem Fehlen eines überzeugten Glaubens entspringen Angst und Furcht. Wenn sich die Gläubigen bewußt werden, daß sie auf dem Wege Gottes gar nichts verlieren können, weicht ihre Angst. Dieses Phänomen soll Muhammad seinen Widersachern klarmachen:

    »Sprich: Nichts könnt ihr für uns erwarten, als eines der beiden schönsten Dinge. Dagegen erwarten wir für euch, daß Gott euch mit einer Strafe von Sich aus belegt oder aber, daß Er euch durch unsere Hände heimsucht. Also wartet ab, wir warten ebenfalls mit euch.« (Sure 9, 52) Für die Gläubigen gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder Sieg oder Märtyrertod. Entweder sie besiegen ihre Feinde und verhelfen der Wahrheit, Gerechtigkeit und dem Glauben zum Durchbruch, oder sie unterliegen und opfern sich für die gerechte Sache. Dann können sie jedoch auf die Anerkennung durch Gott vertrauen. Diejenigen aber, die die Wahrheit zurückweisen und die Gläubigen bekämpfen, sind in jedem Fall die Verlierer. Entweder werden sie von der Kraft des Glaubens besiegt oder sie erringen vorübergehend die Gewalt über die Gläubigen. Dann werden sie jedoch später unweigerlich ihre gerechte Strafe erhalten!

     Bequemlichkeit

    »Jihad« ist selbstverständlich mit Schwierigkeiten und Opfern verbunden. Bequeme Menschen wollen Unannehmlichkeiten aus dem Wege gehen. Sie erfinden Vorwände und Rechtfertigungen: »Es freuten sich die daheim gebliebenen über ihr Zuhause bleiben gegenüber dem Gesandten Gottes, und es gefiel ihnen nicht, sich mit ihrem Gut und Leben auf dem Wege Gottes einzusetzen, so daß

    sie sagten: "Zieht doch nicht aus in dieser Hitze!> Sprich jedoch: »das Feuer der Hölle ist heiß. Wenn sie es doch verstünden!«
    (Sure 9, 81)

    Schon der Prophet war mit der Bequemlichkeit mancher Gefährten konfrontiert.

    Auch heute wollen viele Muslime ihre Religion nur bis zu einem bestimmten Punkt verwirklichen - und nicht weiter! Werden sie mit Problemen konfrontiert, weichen sie diesen aus und versuchen, ihr Verhalten mit mancherlei Vorwänden - oft vor ihrem eigenen Gewissen -zu rechtfertigen. Ihre Bequemlichkeit stärkt dann die Position ihrer Gegner:

    »Und als eine Sure hinabgesandt wurde: »glaubet an Allah und führt mit Seinem Gesandten JIHAD«, da baten dich die bequemen Reichen unter ihnen um Entlassung und sagten: »laßt uns doch bei den Zuhausebleibenden« Sie wollen lieber bei den Daheimgebliebenen sitzen, die nicht zu m Kämpfen in der Lage sind. Doch versiegelt sind ihre Herzen, weshalb sie nicht begreifen.«
    (Sure 9, 86-87)

    Auch Imam All wendet sich an dieselbe Gruppe mit den Worten: » Wenn ich zu euch im Sommer sage, kommt, laßt uns JIHAD führen, dann sagt ihr nein, nicht jetzt, wo es so heiß ist- warten wir lieber ab, bis die große Hitze vorbei ist! Wenn ich jedoch im Winter zu euch sage, wir sollten zum JIHAD ausziehen, dann sprecht ihr nein, jetzt nicht, es ist doch viel zu kalt-warten wir ab, bis die Kälte vorüber ist! Euch haften also Hitze und Kälte vom JIHAD ab! Doch wenn euch schon Hitze und Kälte abschrecken, wieviel mal eher werdet ihr dann vor den Schwertern fliehen?«
    (Nahjul Balagha, Rede XXVII)

    Armut

    Die Weigerung der Gläubigen, für die Sache Gottes zu spenden, ist Ursache ihres Niedergangs. Anhäufung von Eigentum schwächt die Gemeinschaft, die dann immer weniger in der Lage ist, höhere Werte zu entwickeln.

    »Spendet auf dem Wege Gottes und stürzt euch nicht mit euren Händen ins Verderben: seid wohltätig, denn Allah liebt die Wohltätigen.« (Sure 2, 195)

    Der Quran ermuntert die Gläubigen, ihr Hab und Gut für die gerechte Sache einzusetzen:

    »0 ihr Gläubigen, soll ich euch einen Handel zeigen, der euch vor schmerzlicher Strafe rettet? Glaubt an Gott und Seinen Gesandten und tretet ein auf dem Wege Gottes mit eurem Gut und euren Leben. Dies ist besser für euch, wenn ihr es nur wüßtet!«
    (Sure 61, 11-12)

    Mit Wohltätigkeit (arabisch »Infaq«) sind keine Almosen gemeint. Vielmehr handelt es sich um den Einsatz finanzieller Mittel, die Wahrheit und Gerechtigkeit gegenüber der Manipulation und Unterdrückung durchsetzen. Islamische Wohltätigkeit darf kein »Beruhigungsmittel der Gewissen« sein. Die Gläubigen sollen gerade dort finanzielle Opfer bringen, wo Menschen in Not geraten sind oder unterdrückt und ausgebeutet werden. Die Wohltätigkeit zur rechten Zeit und am rechten Ort gilt als »schönes Darlehen an Gott«:

    »Und was ist mit euch, daß ihr auf dem Wege Gottes nicht spenden wollt? Ist nicht Gottes das Erbe der Himmel und Erde? Nicht gleicht derjenige von euch, der vor dem Sieg spendet und kämpft demjenigen, der erst hinterher spendet und dann kämpft. Jene (die ersteren) haben einen höheren Rang, wenngleich Gott beiden Gutes versprochen hat. Und Gott weiß alles, was ihr tut! Wer will Gott ein schönes Darlehen geben? Er wird es ihm um ein Vielfaches mehren und ihm wird großzügiger Lohn zuteil.« (Sure 57, 10-11) Durch das freiwillige Spenden auf dem Wege Gottes soll die Gemeinschaft der Gläubigen gestärkt werden, so daß sie in der Lage ist, Aggressionen von innen und außen abzuwehren. Die muslimische Gemeinschaft ist aufgerufen, sich militärisch für einen solchen Fall zu rüsten:

    »Darum rüstet euch gegen sie, was ihr könnt an Kraft und Reiterei, um die Feinde Gottes abzuschrecken, die auch eure Feinde sind und andere die ihr nicht kennt, die aber Gott kennt. Und was ihr auch in der Sache Gottes ausgebt. Er wird es euch ersetzen und ihr werdet nicht unrecht behandelt werden l« (Sure 8, 60)

    Jedoch dient »Rüstung« hier ausschließlich der Verteidigung der Gemeinschaft und nicht dem Macht und Profitstreben einzelner Interessengruppen. Alle Mittel, die für die Verteidigung ausgegeben werden, müssen sich innerhalb der Grenzen der islamischen Ethik bewegen. Niemals dürfte im Islam eine Hochrüstung - wie wir sie heute in Ost und West erleben – das Leben unschuldiger Zivilisten, ja den Fortbestand der gesamten Menschheit gefährden. Im Islam soll immer gewährleistet sein, dass am Kampf nicht beteiligte Personen, die Pflanzen- und die Tierwelt, Wohnhäuser Moscheen usw., wie nur irgend möglich verschont bleiben. Dies ist bei den >>modernen<< Massenvernichtungswaffen – Höhepunkt des zivilisatorischen Wahnsinns – nicht mehr gegeben.

    Stichwort »Hijra« Auswanderung als islamisches Prinzip

    Obwohl das Prinzip »Hijra« -- die Auswanderung auf dem Wege Gottes - auf den ersten Blick als Gegensatz von »Jihad« erscheinen mag, stellt es doch eine Art Fortführung jener permanenten Auseinandersetzung des Gläubigen dar. Auswanderung (arabisch »Hijra«) besitzt seit Anbeginn der islamischen Geschichte eine große Bedeutung. Die frühen Muslime, die aufgrund ihrer Verfolgung durch die Ungläubigen von Mekka nach Medina emigrieren mußten, bezeichnet man als Muhajirun, d. h. als diejenigen, die um des Glaubens willen, um der Sache Gottes willen auswandern mußten. Diese erste große Auswanderung der Muslime im Jahre 622 n. Chr. markiert den Beginn des islamischen Kalenders. Allgemein bezieht sich der Begriff Hijra auf »das Sichfernhalten von allen Dingen, die den Menschen an seiner Vervollkommnung hindern«. Der Mensch soll seine Beziehung zu Rechtschaffenen und Gutem schlechthin verstärken, um dadurch die Grundlagen einer gerechten und moralisch einwandfreien Gesellschaft zu schaffen.

    Ganz am Anfang seiner Gesandtschaft empfing Muhammad (Friede sei mit ihm) folgende göttliche Worte: » 0 du Bedeckter, steh auf und warne, lobpreise deinen Herrn, halte deine Bekleidung sauber und bleibe der Unreinheit fern...«
    (Sure 74, 1-5)

    Jeder gläubige Mensch sollte sich vor negativen Elementen und dem Umgang mit schlechten Menschen hüten. Wie die Propheten sollte er gute Eigenschaften in sich entwickeln und dabei die Nähe von gläubigen Menschen suchen. Hijra bedeutet also, »sich innerlich frei zu machen von allen negativen Neigungen, die einen vom Sinn des Daseins, der Annäherung an die schöpferische Weisheit, ablenken.«

    Ziele der Hijra

    Aufruf zum Islam

    Der Islam, die letzte göttliche Botschaft an die Menschheit, läßt sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet begrenzen. Die »Hingabe an den einen Gott« ist für alle Völker gekommen. Werden die Muslime in ihren Ländern verfolgt, wenn sie den Islam öffentlich vertreten, dann sollen sie ebenfalls die Hijra antreten. Die Muhajirun sind Träger der Verkündung: sie verlassen einen Ort, wo Gewalt und Unterdrückung herrschen, und tragen die Botschaft des Islam in das Land ihrer Emigration. Deshalb bilden Hijra (Auswanderung) und Da'wa (Aufruf zum Islam) eine Einheit.

    Erweiterung des Bewußtseinshorizonts

    Hijra ist für den Menschen ein Mittel, sich neue Horizonte zu erschließen. Durch die Auswanderung löst sich der Mensch aus seinem begrenzten Lebensbereich und kommt mit anderen Anschauungen, Lebensformen und fremden Kulturen in Verbindung. Oft überwinden ganze Völker dadurch ihre geistige Stagnation und gelangen zu neuen Einsichten.

    Es ist ein historisches Phänomen, daß allen großen Zivilisationen der Menschheit Völkerwanderungen vorausgegangen sind. Erst als die Völker bereit waren, den Schritt der Auswanderung zu vollziehen, waren sie in der Lage, eigenständige Hochkulturen zu errichten.

    Aus demselben Grund schenkt der Islam dem Reisen große Bedeutung. Wenn ein Mensch andere Länder, Gebräuche und Sitten kennenlernt und darüber reflektiert, wird sich der Horizont seines Bewußtseins erweitern. Durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden wird er nicht nur Einsicht über Stärken und Schwächen anderer Völker gewinnen, sondern auch größere Erkenntnis von seinem eigenen Leben.

    »Sprich: Bereist die Länder und sehet, wie das Ende der Unheilstifter war!« (Sure 27, 69) »Sind sie denn nicht auf der Erde gereist und haben gesehen, wie diejenigen endeten, die vor ihnen lebten? Jene waren viel mächtiger als sie und hinterließen viel mehr Zeichen auf der Erde. Trotzdem erfaßte sie Gott wegen ihrer Sünden und es gab keinen Beschützer für sie vor Gott!« (Sure 40, 21) Ein Mensch, der aus seinem eng umgrenzten Lebensbereich heraustritt und sich die Geschichte und Kulturen anderer Völker bewußt macht, wird sein eigenes Selbst und das eigentliche Ziel seines Daseins besser verstehen lernen. Die Auswanderer sollen nicht aufhören, Jihad zu führen, und nicht in Passivität erstarren. Hijra und Jihad bilden eine Einheit. Auswanderung im islamischen Sinne ist eine Form des Kampfes gegen Unrecht und Unterdrückung.

    Dagegen heißt es im Quran über die Gläubigen, die sich mit der Unterdrückung arrangierten und nicht auswanderten, um sich ihren Glauben zu retten, folgendermaßen:

    »Diejenigen Gläubigen, die von den Engeln hinfort genommen werden, nachdem sie sich gegen sich selbst vergingen, werden gefragt werden: >was habt ihr denn erreicht?< Sie werden antworten: >wir waren doch Unterdrückte im Lande!< Sie werden erwidern: »ist die Erde Gottes nicht groß und weit genug gewesen, so daß ihr hättet auswandern können auf ihr!«

    Deren Wohnstätte wird die Hölle sein, und schlimm ist die Einkehr dorthin. Ausgenommen davon werden die unterdrückten Frauen, Männer und Kinder sein, die keine Möglichkeit hatten und keinen anderen Ausweg fanden.

    Diesen ist Gott nahe dabei zu verzeihen, denn Gott ist der Allverzeihende, Allbarmherzige.« (Sure 4, 97-99) Auswanderung im islamischen Sinn bedeutet also die Schaffung einer geeigneten Grundlage für die Fortsetzung des Jihad. Den Auswanderern, die Hijra so verstehen, verspricht Gott höchste Anerkennung:

    »Derjenige aber, der auswandert für die Sache Gottes, findet auf der Erde viele Erleichterungen. Und wer sein Heim verläßt im Streben nach Gott und Seinem Gesandten und dabei vom Tod ereilt wird, dessen Lohn ist bei Gott. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Allbarmherzig!« (Sure 4, 100)

    Befreiung

    Die Auswanderung ist angezeigt, wenn soziale Ungerechtigkeit und politische Unterdrückung den Menschen keine andere Möglichkeit läßt. Der Islam erlaubt es nicht, daß sich die Muslime einer Situation unterwerfen, in der sie unterdrückt werden und ihren Glauben nicht mehr ausüben können. Im Quran heißt es: »Unterdrückt nicht und laßt euch nicht unterdrücken!»
    (Sure 2, 279)

    Der Gläubige hat die Pf licht, seine Gesellschaft von Unglauben, Unterdrückung und Ausbeutung zu befreien und sie zu Glauben, Gerechtigkeit und Freiheit zu führen. Wenn er dazu keine Möglichkeit mehr hat und sein Glauben und Leben in Gefahr sind, dann ist er verpflichtet, die Auswanderung anzutreten. In rechter Absicht vollzogen, wird Gott ihm bei diesem Schritt beistehen, denn die Erde ist groß und weit.

    Auswanderung im islamischen Sinne ist jedoch niemals Flucht vor Verantwortung. Das ganze Leben ist eine permanente Prüfung für den Menschen, der sich niemals der Verantwortung, gerecht und moralisch zu handeln, entziehen kann. Daher handelt es sich bei Hijra um erneute Übernahme von Verantwortung: derjenige, der auswandert, flieht zwar aus einer bedrängenden Situation, jedoch mit dem Ziel, seinen Glauben in Ganzheit an anderem Ort weiter zu praktizieren.

    »Und denjenigen, die um Gottes willen ausgewandert sind, nachdem ihnen Unrecht geschah, geben wir in diesem Leben Gutes, aber die Belohnung des Jenseits ist besser! Wenn sie es doch nur wüßten!« (Sure 16, 41)

    »Dagegen wird dein Herr gegenüber denjenigen, die auswanderten, nachdem sie gequält wurden und dann Jihad führten und standhaft blieben, bestimmt verzeihend und barmherzig sein!« (Sure 16, 110)

    Historische Dimension

    Die Entwicklung der Gesellschaft im geschichtlichen Ablauf ist kein materialistisches Phänomen. Nicht alle Bewegungen im Dasein können einer rein stofflichen Erklärung unterzogen werden.

    Gesellschaft und Geschichte- wie auch die Natur und der Mensch - folgen höheren, geistigen Gesetzen. So sind alle Vorgänge eingebunden in einen allumfassenden, göttlichen Plan. Nichts passiert, was nicht einen tieferen Sinn hätte, weil alle Geschehnisse im Grunde auf ein Ziel - nämlich Gott - ausgerichtet sind. Die Gesellschaft ist wie der Mensch eine lebendige Einheit. Sie besitzt Leben und Tod, Vervollkommnung und Niedergang. Die Gesellschaft unterliegt einer ständigen Veränderung im Rahmen der göttlichen Normen.

    Wenn aber eine Gesellschaft diesen Rahmen sprengt und damit die allesdurchdringenden göttlichen Gesetzmäßigkeiten überschreitet, ist ihr Niedergang unaufhaltsam:

    »Jedem Volk ist eine Frist gesetzt; und wenn seine Frist abgelaufen ist, dann kann es sie keine Stunde hinauszögern noch vorziehen.« (Sure 7, 34)

    Durch die Auswanderung sollen die Menschen zu dieser Einsicht gelangen: Wenn der Auswanderer offen ist für die Faktoren, die zum Aufstieg oder Fall anderer Kulturen geführt haben, kann er diese Erkenntnis zum Wohle seiner eigenen Gesellschaft nutzen. Der Muslim ist ständig herausgefordert, gesellschaftliche Zwänge zu überwinden und sich nur einer Norm - nämlich Gott-zu unterwerfen. Die Gläubigen dürfen sich nicht zu Gefangenen einer islamfeindlichen Ordnung machen. Sie sind aufgerufen, ihre Gesellschaft in Richtung der göttlichen Werte voranzubringen. Werden sie daran gehindert und bleibt ihnen keine andere Möglichkeit, sollen sie anderenorts versuchen, diese Verpflichtung zu erfüllen. Auswanderung, so interessant und Bewußtseinserweiternd sie auch sein mag, ist immer mit Unannehmlichkeiten verbunden. Diese Schwierigkeiten jedoch werden von den Auswanderern bewußt auf sich genommen: kraft ihres unerschütterlichen Glaubens an Gott geben die »Muhajirun« ihr Eigentum und vertrautes Leben auf. Ihr Bemühen bleibt nicht ohne Antwort: »Die Armen unter den Auswanderern, die aus ihrer Heimat vertrieben und von ihrem Besitz getrennt worden sind und nur auf die Gnade Gottes und auf Sein Wohlgefallen hoffen und Allah und Seinem Gesandten beistehen, das sind die Wahrhaftigen.« (Sure 59, 8)

    »Glaube versetzt Berge!« Dies ist eine Tatsache, die der Auswanderer auf dem Wege Gottes verdeutlicht. Sein Glaube ist stärker als alle seine Bindungen an Heimat, Zuhause, Familie, Reichtum und Bequemlichkeit. Für Gerechtigkeit, Freiheit und Frieden ist er bereit, alles aufzugeben. Er schöpft Energie aus seinem Glauben, der ihn zum unerschrockenen Kampf gegen alle unheilbringenden Elemente antreibt.

    Mohammeds Hijra

    Die prophetische Mission Mohammeds (Friede sei mit ihm) begann mit seiner ersten göttlichen Offenbarung in seinem vierzigsten Lebensjahr. Nachdem er mehrere Jahre nur seine allernächsten Angehörigen mit dem Islam vertraut machte, ging er mit seiner Botschaft an die Öffentlichkeit. Dadurch vervielfachten sich auch seine Schwierigkeiten. Immer größere Hindernisse wurden ihm und seinen Gefährten in den Weg gelegt. Die heidnischen Mekkaner, die Einbrüche ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Positionen befürchteten, bekämpften die neue Lehre. Die kleine muslimische Gemeinschaft jener Tage konnte all die Demütigungen und Verfolgungen nur durch ihren festen Glauben an den einen Gott ertragen. Die ersten Muslime wurden so sehr unterdrückt, daß eine Gruppe von ihnen im christlichen Abbessinien Schutz suchen mußte. Die Verfolgung eskalierte und die vorher verfeindeten arabischen Stämme einigten sich sogar, den Propheten gemeinsam umzubringen. Auf dem Höhepunkt der Verfolgung blieb diesem und seinen Gefährten keine andere Wahl, als auszuwandern.

    Zwei Jahre vor der Hijra hatte sich der Prophet an die Bewohner Yathribs gewandt und sie mit den Inhalten der islamischen Lehre vertraut gemacht. In der Stadt lebten Juden und arabische Stämme, die dem Polytheismus anhingen. Der Aufruf zur Wahrheit des Propheten stieß auf ihr Interesse, so daß sich die zwei größten Stämme, die »Aus« und die »Khasraj«- die jahrelang in Fehde gelegen waren, versöhnten und sich gemeinsam auf den Weg der Hingabe an den einen Gott begaben. In einer von Feindschaft getragenen Gesellschaft rief der Islam eine grundlegende Veränderung hervor, und immer mehr Menschen traten ein in den Geist der neuen Lehre. Die Hijra von Mekka nach Medina - der »Stadt des Propheten« -war der Beginn eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbruchs. Der Prophet knüpfte sogleich die Bande der Brüderlichkeit und Liebe zwischen den Auswanderern und Helfern, wodurch die Feindschaft unter den Stämmen beigelegt werden konnte: »Und jene, die vorher ihren Aufenthalt und Glauben in der Stadt gehabt hatten, lieben jene, die zu ihnen ausgewandert waren und spüren in ihren Herzen keinen Neid gegenüber dem, was ihnen zuteil wird; vielmehr ziehen sie jene sich selber vor, auch wenn sie wenig haben. Und wer immer sich vor der Habsucht seines Egos bewahrt, der gehört zu den Glückseligen.« (Sure 59 9) Die hilfsbereiten Bewohner Medinas hatten sich bereit erklärt, die Auswanderer bei sich aufzunehmen:

    Diejenigen, die geglaubt hatten, auswanderten und sich auf dem Wege Gottes einsetzten mit ihrem Gut und Leben, und diejenigen, die sie bei sich aufnahmen und unterstützten, sind sich gegenseitig Helfer.« (Sure 8, 72) Die Auswanderung (Hijra) der Muslime von Mekka nach Medina ging in die Geschichte ein. Sie markiert den Beginn des islamischen Kalenders.

    Doch handelt es sich dabei nicht um ein rein historisches Phänomen. Hijra ist auch das Verbindungsglied zwischen dem Stadium der Verkündigung und dem des Aufbaus eines islamischen Staates.

    Während seines dreizehnjährigen prophetischen Wirkens in Mekka versuchte Muhammad (s.a.s.), engagierte Gläubige heranzubilden. In dieser Zeit hatte er und seine Anhänger viele Schwierigkeiten zu ertragen. Doch den darauffolgenden zehnjährigen Abschnitt widmete der Prophet der praktischen Verwirklichung der ihm offenbarten Lehre. Er schuf die erste - und bislang einzige - ideale Muslimgemeinschaft (Ummah), die die Inhalte der qur'anischen Lehre auch in der Praxis widerspiegelte. Schon damals jagte die Ummah ihren Gegnern große Angst ein. Die reichen mekkanischen Kaufleute befürchteten den Verlust ihres Profits. Deshalb war die erste Gemeinschaft der Gläubigen Zielscheibe massiver Angriffe. Die Götzendiener versuchten mit allen Mitteln, die junge islamische Solidargemeinschaft zu vernichten. Doch ohne Erfolg! Hätten sich der Prophet und seine Gefährten jedoch gegenüber diesen Angriffen damals nicht gewehrt und Jihad gegen die Feinde Gottes und der Wahrheit geführt, würden wir heute nicht mehr viel vom Islam wissen. Doch Jihad - die aktive Gegenwehr gegenüber einer Aggression - wurde damals zum Prinzip des Schutzes der islamischen Gemeinschaft und der göttlichen Lehre des Islam.

    »Da'wa - Hijra - Doula«

    Der Islam geht davon aus, daß der Mensch in der Lage ist, sich zu vervollkommnen und »göttliche« Eigenschaften anzunehmen. Doch seine Umwelt spielt hierbei eine wichtige Rolle: nur wenn eine moralisch einwandfreie Gesellschaft vorhanden ist, kann der Mensch seine in ihm schlummernden göttlichen Eigenschaften in bester Weise freilegen. Um dies zu erreichen, muß eine Gesellschaft mehrere Stufen durchlaufen:

  • den »Aufruf zur Wahrheit« (Da'wa), d.h. Aufklärung, Bewußtmachung des Volkes;

    die »Auswanderung auf dem Wege Gottes« (Hijra), d.h. Trennung von unheilvollen, schädlichen Einflüssen;

    der »Aufbau eines islamischen Staates« (Doula), d.h. Ringen um Verwirklichung der »Gemeinschaft der Gläubigen« (Ummah). Die Folge »Da'wa - Hijra - Doula«, d. h. »Aufruf- Auswanderung - Aufbau« ist Modell und gleichzeitig permanente Herausforderung an die Muslime, eine Gemeinschaft zu errichten, die den qur'anischen Inhalten entspricht und in der sich alle Menschen gemäß ihrer innewohnenden Natur frei entfalten und vervollkommnen können.

    Grundsätzliches

    Pflicht zu gemeinsamen Verteidigungsmaßnahmen

    »Vorgeschrieben ist euch der Kampf, auch wenn es euch widerstrebt. Es ist möglich, daß ihr eine Sache verschmäht, die trotzdem gut für euch ist. Auch ist es möglich, daß ihr etwas mögt, das trotzdem schlecht für euch ist. Und Allah weiß, ihr aber wißt nicht!«
    (Sure 2, 216)

    Im Islam existieren zwei Arten von Pflichten: Erstens solche, die für jeden Muslim verbindlich sind, wie z. B. das Gebet, Fasten, Zakat, usw. Hier handelt es sich um Pflichten, die für das Individuum verbindlich sind.

    Zweitens Pflichten, die nicht für alle Muslime verbindlich sind. Hier sind für die Gemeinschaft verbindliche Pflichten gemeint, wovon diese enthoben wird, wenn sie von einer bestimmten Anzahl ihrer Mitglieder bereits erfüllt worden sind.

    Die Pflicht zum Verteidigungskampf (Qital) gehört ebenso dieser Kategorie an: Wenn nämlich eine bestimmte Anzahl von Muslimen in der Lage ist, die Verteidigung ihrer Gemeinschaft zu übernehmen, sind die übrigen Muslime davon befreit. Doch auch nicht jeder Muslim darf hierfür herangezogen werden. Nur jeder männliche Muslim, der volljährig, im Zustand voller Gesundheit und gegebenenfalls in der Lage ist, den Unterhalt seiner Familie während seiner Abwesenheit zu bestreiten, ist zur Verteidigung der Gemeinschaft verpflichtet. Nicht verpflichtend ist der Verteidigungskampf

    »für die Schwachen und Kranken, noch für diejenigen, die ihren Lebensunterhalt selbst nicht bestreiten können.« (Sure 9, 91)

    Verteidigung - nicht Rache

    Ferner existieren zahlreiche Gebote, die verhindern sollen, daß der muslimische Verteidigungskampf zu einem Rachefeldzug entartet. Mit Nachdruck wird vom Islam verworfen, aufgrund niederer Motive wie Rache und Vergeltung zu kämpfen. Dagegen soll der Mensch in jeder Situation seine positiven Eigenschaften und die Ehrfurcht vor seinem Herrn entwickeln. Nur wenn er danach strebt, wird er auch durch die Gnade Allahs auf den rechten Weg geführt, auf dem er die göttlichen Werte verwirklichen kann und vor den ständig lauernden Einflüsterungen geschützt ist. Islamischer Verteidigungskampf ist nur dann gerechtfertigt, wenn dadurch eine Aggression verhindert und Gewalt vermieden werden kann. Daher gilt auch im Verteidigungsfall ein ethischer Handlungsrahmen, ohne dessen Einhaltung nicht mehr vom islamischen Verteidigungskampf gesprochen werden kann. Die islamische Ethik fordert beispielsweise,

    daß Frauen, Kinder, kranke und alte Menschen, sowie nicht direkt am Kampf beteiligte Personen keinen Schaden nehmen dürfen, daß Kriegsgefangene menschlich behandelt werden müssen, daß Tiere nicht getötet, Felder, Bäume und Pflanzen nicht vernichtet. Bäche und Flüsse nicht vergiftet, Dörfer und Städte nicht verwüstet werden dürfen!

    Der Prophet richtete an seine Kämpfer folgende Worte: »Kämpft im Namen Allahs und auf Seinem Weg; tötet jene Ungläubige, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht und brecht nicht eure Abmachungen, schändet keine Gefangenen und tötet keine Kinder!«

    Auch dann, als sie sich gegen Aggressoren zur Wehr zu setzen hatten, vergaßen die ersten Muslime die Ehrfurcht vor dem Schöpfer nicht und ließen Gnade und Barmherzigkeit walten.

    Islamischer Staat contra Staatsislam

    Der Prophet schweißte die Muslime in Selbstlosigkeit und Liebe zusammen und legte die Fundamente einer Gemeinschaft der Gläubigen.

    Heute sind wir weit von diesem Ideal entfernt! Wo liegen die Gründe dafür? Was müßte getan werden, um eine solche Gemeinschaft zu begründen? Wie läßt sich die Verwirrung darüber entwirren?

    Wir sollten uns im klaren darüber sein, daß es heute grob gesehen zwei Hauptströmungen gibt, die sich mit den Begriffen islamischer Staat einerseits und Staats-»Islam« andererseits umschreiben lassen. Das Ziel des islamischen Staates ist die Vervollkommnung des Menschen in allen Lebensbereichen. Ein solcher Staat würde die Grundlagen für die Entwicklung der jedem Menschen innewohnenden »göttlichen« Werte schaffen. Diese Annäherung an das Zentrum des Daseins (Gott) könnte durch die Weltanschauung des Tauhid (Einheit) und durch Ehrfurcht vor dem Schöpfer (Taqwa) erreicht werden. Ein solcher Staat würde ebenso die vorhandenen negativen Tendenzen möglichst gering halten wie alle Hindernisse, die den Menschen bei seinem »Aufstieg zu Gott« im Wege stehen, beseitigen.

    Die verbreitete Form des Staatsislam - das genaue Gegenteil zum »islamischen Staat« - basiert auf multidimensionalem Götzendienst (Schirk) und islamfremden Einflüssen. Den Feinden der Wahrheit ist es nämlich gelungen, in die islamischen Völker einzudringen und ihnen ihre Denkweisen aufzuzwingen. Unter dem Mäntelchen des Islam versuchten sie ihre verschwörerischen Pläne durchzusetzen und machen den »Islam« zum Mittel der Beseitigung des Islam. Dies erscheint paradox-ist aber leider Realität: für viele Regime dient heute die Religion als Rechtfertigung für Unterdrückung und Ausbeutung. In subtiler Form gelang es diesem Pseudoislam, Muslime für sich zu vereinnahmen. Jedoch sind sich noch immer viele Muslime dieser Verschwörungen nicht bewußt: Sie erkennen nicht, daß viele ihrer sogenannten »islamischen« Regierungen jahrzehntelang den Reichtum ihrer Länder von fremden Mächten haben ausplündern lassen, während sie zur selben Zeit den Islam bekämpfen und islamische Befreiungsbewegungen mit allen Mitteln unterdrückten.

    Doch heute ist es an der Zeit, daß die Muslime ihre Situation hinterfragen und sich vor Augen halten sollten, daß ein großer Unterschied zwischen »Staatsislam« und »islamischem Staat« existiert: der islamische Staat würde die Verwirklichung der qur'anischen Werte gewährleisten und die Probleme der Muslime beseitigen, während der Staatsislam im Namen des Islam die »göttlichen« Werte zu beseitigen droht und immer größeres Leid unter den muslimischen Völkern anrichtet!